Mario Mariani im Zürich West vom 18. Mai

Fahrtenmodell – ein Instrument mit Verbesserungspotenzial.

Text von Mario Mariani, Gemeinderat CVP Zürich 9

An der ersten Sitzung im neuen Ratsjahr mit neuem Präsidium befasste sich der Gemeinderat intensiv mit dem Thema Fahrtenmodell. Anlass dazu war eine Änderung von Sonderbauvorschriften in Neu-Oerlikon. Mit einem Fahrtenmodell wird bei grösseren Überbauungen festgelegt, wie viele Autofahrten (Zu- und Wegfahrten) die im Areal zulässigen Nutzungen maximal auslösen dürfen. Dafür kann der Investor oder Bauherr mehr oder weniger frei entscheiden, wie viele Fahrzeugabstellplätze er erstellen will.

Ziel eines Fahrtenmodells ist eine wirtschaftlich, umweltfreundlich und verkehrsplanerisch optimale Nutzung von Parkplätzen. Das Fahrtenmodell ist ein Planungs- und Vollzugsinstrument zur Steuerung des Verkehrsaufkommens
und stellt eine Ergänzung bzw. Erweiterung der städtischen Parkplatzverordnung dar. Die Verknüpfung mit der Parkplatzverordnung ist dadurch gegeben, dass diese die Basis zur Berechnung der zulässigen Fahrtenzahl bildet. Im Gegensatz zu den Festlegungen der Parkplatzverordnung wird die Nutzung der Parkplätze nicht vorgeschrieben. Damit können Parkierungsanlagen flexibler bewirtschaftet werden, was durchaus im Interesse des Investors liegen kann. Durch eine Mehrfachnutzung können Synergien genutzt und Fehlinvestitionen vermieden werden. So können zum Beispiel tagsüber durch Büros besetzte Parkplätze abends Kinobesuchern zur Verfügung gestellt werden. Auch Verkehrsspitzen bei Grossveranstaltungen können dank der Mehrfachnutzung abgefangen werden. Im Gegenzug muss aber gleichzeitig ein Controlling mit Sanktionen bei Übertretungen der Plafonds eingeführt werden. Die nutzbare Fahrtenzahl ist folglich eine Steuerungsgrösse, die fortlaufend erhoben werden muss. Sie ist für die effektiven Umweltauswirkungen einer verkehrserzeugenden Anlage relevanter als die Parkplatzzahl. Soweit die Theorie des Fahrtenmodells.

Im praktischen Gebrauch können nachfolgende Fälle zu unbefriedigenden oder gar zu absurden Verhältnissen führen. So werden weder die Bedürfnisse von Behinderten noch der immer stärker zunehmende Anteil von  Elektrofahrzeugen angemessen berücksichtigt. Insbesondere beim zweiten Fall müssten aus meiner Sicht die viel geringeren Umweltbeeinträchtigungen zu einem Bonus bzw. zu zusätzlich erlaubten Fahrten führen. Zudem wird sich ein Wohnungsmieter (oder Eigentümer) kaum freuen, wenn er seinen teuer gemieteten Fahrzeugabstellplatz nur sehr eingeschränkt benutzen darf.

Unwägbarkeiten besser abklären

Diese offenen Fragen haben die CVP-Fraktion bewogen, den Antrag für einen Dispens der Wohnnutzung zu unterstützen und folgerichtig den Sonderbauvorschriften die Zustimmung zu entziehen. In der Schlussabstimmung
haben wir uns deshalb der Stimme enthalten. Wir erwarten, dass künftig die aufgezeigten Unwägbarkeiten besser abgeklärt werden.

Mario Mariani vertritt seit 2004 die CVP 9 im Gemeinderat. Der in Altstetten wohnhafte Politiker ist Mitglied der Paritätischen Kommission Landrat Uri/Gemeinderat Zürich, der Redaktionskommission und der Sonderkommission Tiefbau- und Entsorgungsdepartement, Departement der Industriellen Betriebe

Quelle: lokalinfo.ch