Stadtrat Gerold Lauber (CVP) in der Stadtratskolumne im Tagblatt der Stadt Zürich vom 2. März

„Raum und Zeit – alles relativ!“

Albert Einstein hat eine Theorie entwickelt, im Kopf, am Pult, mit Bleistift und auf Papier. 100 Jahre später wird diese nun durch Astrophysiker erstmals bestätigt. Irgendwo da draussen haben sich zwei schwarze Löcher entschieden, zusammenzuspannen, entwickeln dabei äusserst viel Energie und verursachen dadurch Gravitationswellen, die sich mit Lichtgeschwindigkeit durchs All fortpflanzen. 1 300 000 000 Lichtjahre waren sie schnell wie ein Blitz unterwegs, wurden nun bei uns registriert und verursachten unterwegs geheimnisvolle, winzige Kräuselungen von Raum und Zeit. Alles klar? Für mich weit jenseits meiner Vorstellungskraft. Bereits Australien ist für mich unendlich weit weg; und zur Dimension Zeit: Mit dem Alter werden die Jahre zwar immer kürzer, sind aber eine bekannte Kadenz: Geburtstage, Ostern, der längste Tag, Steuererklärung oder so. Aber Einsteins Dimensionen von Zeit und Raum! Es bleibt mir ehrfurchtvolles Staunen. Einzige Erklärung: Er war ein Alien, Migrant, Aufgenommener auf unserem Planeten und eingebürgert, 1901 auch in der Schweiz. Etwas näherliegend: Die Landesgrenze Schweiz/Italien überklettert das Matterhorn von
West nach Ost. Meine Wiege stand am nördlichen Fuss des Schweizer Wahrzeichens. Wenige Kilometer südlich, und ich wär Italiener; oder Geburt vor meiner Zeit hätte mich zum Nordafrikaner gemacht. Denn das Matterhorn richtete sich erst vor etwa 40 000 000 Jahren auf, als die afrikanische Kontinentalplatte sich unter die europäische schob. Schweizer, Italiener oder Nordafrikaner: vieles Zufall, alles relativ, nichts Verdienst. Nach dem Abstimmungsergebnis vom Sonntag schlafe ich nun sorgenfrei, ein Ausschaffungsautomatismus droht mir nicht mehr.

Quelle: tagblattzuerich.ch